2009
WAS ERWARTEN BEKANNTE WUPPERTALER AUS KULTUR, WIRTSCHAFT, SPORT UND GESELLSCHAFT VOM NEUEN JAHR?Cornelia Albrecht, Geschäftsführerin des Wuppertaler Tanztheaters Pina Bausch
„Das Tanztheater Wuppertal gastiert in der ganzen Welt, und die Tänzer fühlen sich überall ein bisschen zu Hause. Heute ist jeder, egal, wo er sich befindet, ein Weltbürger, und damit verantwortlich für unseren schönen blauen Planeten. Dem geht es nicht gut, und deshalb wünsche ich uns allen für die Zukunft Mut zu kritischer Kreativität.“
Ralf Budde, Geschäftsführer des TiC-Theaters
„Für 2009 wünsche ich dem TiC-Theater alles Gute und bin zugleich hoffnungsvoll, dass die neu formierte Mannschaft den gemeinsam eingeschlagenen Weg genauso erfolgreich weitergeht. Ich freue mich besonders auf die Zusammenarbeit mit unserem Ensemble und meinem Kollegen Stefan Hüfner: Wir haben uns für 2009 ambitionierte Projekte vorgenommen. Wenn wir den Wuppertalern mit unseren Aufführungen Freude bereiten und zu Herzen gehen, war unsere Arbeit erfolgreich.“
Günter Pröpper, einer der erfolgreichsten und populärsten Stürmer Deutschlands,
spielte zehn Jahre lang beim Wuppertaler SV
„An erster Stelle steht Gesundheit, für meine Kinder, meine Lebensgefährtin und mich. Mein zweiter Wunsch gilt dem WSV: Die nächste Saison soll besser anfangen als dieses Jahr. Das Ziel ist die Zweite Bundesliga. In der Welt sollen Terror und Kriege aufhören, die Länder sollen sich näher kommen – dafür muss mehr getan werden.“
Gerd Leo Kuck, Generalintendant der Wuppertaler Bühnen, Dramaturg, Regisseur„Am 18. Januar wird das Opernhaus der Öffentlichkeit zurück geschenkt. In der neuen Spielzeit bekommt die künstlerische Leitung der Oper und des Schauspielhauses ein neues Organisationsmodell. Ich bin voll großer Hoffnung, dass die Stadt dieses Haus nicht direkt wieder schließt. Persönlich wünsche ich mir Gesundheit und den langen Genuss vieler Renten.“
Hermann Schulz, Wuppertaler Romanautor„Möge die gebeutelte Barmer Innenstadt nicht durch 1-Euro-Shops und Frittenbuden verwahrlosen! Die Leser dieser Stadt sollten dafür sorgen, dass nicht auch noch die letzten literarischen Buchhandlungen schließen. Meinem geliebten Afrika wünsche ich, der Geist Nelson Mandelas möge stark genug werden, Korruption und Kriege den Garaus zu machen. Für mich selbst? Dass mein nächstes Buch so zu Papier kommt, wie es sich in meinem Innern schon zu Wort meldet.“
Dr. Ulrich Schürer, Direktor des Wuppertaler Zoos
„Am meisten liegt mir die Fertigstellung der neuen Anlage für Königs- und Eselspinguine am Herzen – im kommenden Jahr soll das Publikum sich an diesem Anblick erfreuen können. Danach ist die Außenanlage für Zwergschimpansen und Bonobos geplant. Wir wollen, dass es den Besuchern bei uns im Zoo gefällt.“
Eugen Trautwein, Beirats-Vorsitzender der Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler E/D/E GmbH„Ich hoffe, dass der konjunkturelle Tsunami die Bergische Region weitgehend verschont. Analog dazu möge es dem E/D/E gelingen, sich mit ganzer Kraft und ein wenig Glück den schwierigen Szenarien des kommenden Jahres entgegenzustemmen. Meine besten Wünsche für einen 1. Spatenstich gelten den großen städtischen und bürgerschaftlichen Projekten im Tal wie Döppersberg-Nordbahntrasse oder der Neubau „Am Brögel“ für die Junioruni. Persönlich wünsche ich mir, dass es bei einem lebendigen Miteinander im Familien- und Freundeskreis bleibt.“
engels-Thema im Januar:
Wuppertal 2009Statt Bleigießen und Kaffeesatzlesen bietet engels den unverhüllten Blick auf 2009. Was wird werden im Tal und in der Welt? Krise? Chaos? Oder gar ein Jahr voller Chancen? Dazu kommen Promis zu Wort, spricht Wolfgang Sachs vom Wuppertal-Institut, und engels berichtet von wegweisenden Projekten.
„FÜR EINEN GRÜNEN KEYNESIANISMUS“
WOLFGANG SACHS VOM WUPPERTAL-INSTITUT ZU ÖKONOMISCHEN AUSSICHTEN UND ÖKOLOGISCHEN VISIONEN
engels: Herr Sachs, was blüht uns im Jahr 2009?
Wolfgang Sachs: Viele Leute, vom kleinen Mann bis zum Vorstandsvorsitzenden, stellen sich genau diese Frage. Es wird eine Schrumpfung des wirtschaftlichen Wachstums geben und damit einhergehend eine Schrumpfung der Staatsausgaben, weil viel öffentliches Geld für die Rettung der Finanzmärkte und für Antirezessionsprogramme verwendet wird.
Gibt es die Konkurrenz: Entweder retten wir die Welt ökonomisch oder ökologisch?
Es kann diese Konkurrenz geben, aber es muss sie nicht geben. Auf der Tagesordnung steht, die Finanzmärkte und gleichzeitig das Klima zu retten. Der öffentliche Reichtum, unser aller Geld, wird im Moment dazu verwendet, die Finanzinstitutionen zu schützen und die Rezession abzuwenden. Dies sollte an Bedingungen geknüpft werden. Man kann doch dem Finanz- und Industriesektor nicht einfach öffentliches Geld in den Rachen schmeißen. Eine der wichtigsten Bedingungen für staatliche Förderung muss die Schaffung einer ressourcenschonenden und klimafreundlichen Ökonomie sein. Konkreter: Wenn der Staat den Finanzsektor stützt, soll er dafür sorgen, dass günstige Kredite für nachhaltige Investitionen zur Verfügung stehen. Die Kreditgeber müssen dazu gebracht werden, in ihrem Rating-Verfahren nicht nur ökonomische Rentabilität, sondern auch die soziale und ökologische Verträglichkeit zu berücksichtigen. Bei Anti-Rezessionsprogrammen sollte das Geld für naturverträgliche Projekte ausgegeben werden, für Gebäudesanierung, für den Öffentlichen Nahverkehr, für die Produktentwicklung energiesparender Autos, für den Umbau der Landwirtschaft. Wenn schon ein neuer Keynesianismus, dann ein grüner.
Sehen Sie hierfür Chancen in der Großen Koalition?
Ich sehe, dass sich die Leute streiten. Und das ist gut. Auch in der Bundesregierung gibt es Menschen, die die Möglichkeit sehen, dass die Krise ins Positive gewendet werden kann.
Müssen wir Reichtum neu definieren?
Es gibt zwei Dinge, die wichtiger sind als materieller Reichtum. Das sind persönliche Beziehungen und gute Arbeit. Erst dann kommt die Frage, wie viel Geld ich in meinem Geldbeutel habe. Aus dieser Hierarchie können Folgerungen abgeleitet werden. Eine Politik, die nur monetären Reichtum gewährleistet, aber die Möglichkeit untergräbt, zufriedenstellende soziale Beziehungen und zufriedenstellende Arbeit zu haben, ist keine Politik, die zu mehr wirklichem Wohlstand führt.
Die Krise hat den Broker also letztlich befreit?
Das kann sein. Zumindest haben die meisten Börsenmakler viel zu viel Geld gehabt. Renditen von bis zu 25 Prozent können nicht in einem normalen wirtschaftlichen Prozess erwirtschaftet werden. Solche Wachstumsraten müssen von der Substanz genommen werden.
Es gab schon vor dem Börsencrash warnende Stimmen.
Natürlich. Es gibt übrigens interessante Parallelen zwischen der Finanzkrise und der Krise der Ökosysteme. Die Finanzkrise ist ja eine angekündigte Krise. Viele Leute haben sie vorausgesagt. Dennoch wurde sie verdrängt. Ähnlich verhält es sich bei der ökologischen Krise. Weiter besteht die Finanzkrise im Kern darin, dass es viele faule Kredite gegeben hat. Man hat Anleihen auf die Zukunft aufgenommen, die nicht einzuhalten sind. Genau das gleiche Problem stellt sich bei der Öko-Krise. Wir machen auch bei der Natur Anleihen auf die Zukunft. Und schließlich leben wir auch bei der ökologischen Krise über unsere Verhältnisse, indem wir unbezahlte Werte aus der Natur in die Ökonomie transferieren. Wir leben nicht nur in einer finanziellen, sondern auch in einer ökologischen Spekulationsblase.
Ist die Ökologie-Frage zu trennen von globaler Gerechtigkeit?
Nur wenn Menschen in einem eleganten Wohlstand leben, der wenig Ressourcen verbraucht, gibt es die Chance, dass alle Weltbürger ein würdiges Leben führen können. Der Rückbau des Ressourcenverbrauchs ist Voraussetzung, dass es gerecht zugeht. Ein ökologischer Umbau wiederum kann nur durchgesetzt werden, wenn es fair zugeht. China sagt zu Recht: „Wieso sollen wir unseren CO2-Ausstoß verringern, wenn wir erst am Anfang der industriellen Entwicklung stehen und ihr schon so weit gekommen seid“.
Was können Menschen aus Wuppertal tun?
Der nötige Umbau gelingt nur, wenn sich viele Menschen engagieren und zwar in zweierlei Hinsicht. Viele in unserer Gesellschaft sind Akteure. Für Klempner, Bauern, Architekten, Geschäftsleute und für viele andere gibt es eine klare Agenda, nämlich in ihrer Profession dazu beizutragen, ressourcenleichter zu wirtschaften. Andererseits ist jeder von uns auch Käufer. Wir können mehr als bisher unser Konsumverhalten strategisch ausrichten. Als Bürger und Konsument entscheide ich mit, wohin der Tanker „Wirtschaft“ steuert. Allerdings ist zu bedenken, dass die wichtigen Konsumenten die Institutionen sind. Stadtverwaltungen und Bundesländer mit ihren Behörden sind Großkunden. Ein Beispiel: Die Evangelische Kirche Deutschland mit ihren Untergliederungen kauft im Jahr, wenn wir die auch dienstlich genutzten Privatwagen mit berücksichtigen, 120.000 Autos. Mit so einer Marktmacht könnte man Einfluss nehmen.
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer fährt bereits Prius. Hat sich der Lifestyle auch geändert?
Früher sind Leute, die ökologische oder fair gehandelte Produkte kauften, als Idealisten belächelt worden. Inzwischen sind Hollywood-Stars dabei (u.v.m., die Red.).
Welche guten Vorsätze haben Sie?
Die Wohnung, die ich im kommenden Jahr in Berlin beziehen werde, wird energetisch fit sein. Deswegen habe ich meinen Vermieter bereits in ein Gespräch verwickelt. Ich werde meinen Strom bei einem Öko-Anbieter kaufen. Überdies habe ich den Ort meiner Wohnung so gewählt, dass ich mich nicht mit einem Auto belasten muss.
Wird 2009 eine Zeit für Optimisten oder für Pessimisten werden?
Es wird eine Zeit für Pessimisten sein. Die Rezession wird viele Leute unverdient und hart treffen. Auch die Bedrohung des Weltklimas wird voranschreiten. Verstandesmäßig ist Pessimismus also eine zu rechtfertigende Haltung. Aber der Verstand ist nicht alles. Oft ist es so, dass der Pessimismus gerade die Tatkraft herausfordert. Und zur Tatkraft gehört immer Optimismus.
Hier höre ich mehr den Theologen als den Wissenschaftler.
Eine Wissenschaft, die für ethische Fragen kein Ohr hat, ist sowieso eine schlechte Wissenschaft.
Hilft Ihnen Ihre Ausbildung als Theologe in Ihrem jetzigen Handeln?
Bei einer anständigen theologischen Ausbildung lernt man die Skepsis gegenüber dem neuzeitlichen technischen Fortschritt.
Das Wuppertal-Institut hat ein neues Buch veröffentlicht. Wer ist der Adressat?
Wir hatten eine fiktive Adressatin vor Augen, und zwar die Zahnärztin aus Gummersbach, welche am Wochenende die „Zeit“ liest. Wir haben nicht für Fachleute geschrieben, sondern für Menschen, die den Zeitläufen auf der Spur bleiben möchten.
Club of Rome, Greenpeace, viele Stationen Ihres Lebens stehen für die Herstellung von Öffentlichkeit.
Ein Wissenschaftler sollte nicht nur weitere Bausteine auf ein Theoriegebäude einer Fachdisziplin setzen, sondern immer auch aufklären.
Was wünschen Sie sich für 2009?
Viele kleine Kurswenden.
INTERVIEW: LUTZ DEBUS
Zur Person
Wolfgang Sachs (62), Theologe und Soziologe, arbeitet seit 1993 beim Wuppertal-Institut. Von 1993 bis 2001 war er Aufsichtsratsvorsitzender von Greenpeace Deutschland. Zudem ist er Mitglied im „Club of Rome“.
www.wupperinst.org
PRIMA KLIMA AUF DEM SCHULDACH
DAS SONNENKRAFTWERK DER RUDOLF-STEINER-SCHULE
In schwindelerregender Höhe mit Blick von der Unterbarmer Schlossstraße über die Stadt zeigen die Schüler Felix, Joshua, Sascha und Joseph ihr Werk. Seit September 2008 sind auf dem Dach der Rudolf-Steiner-Schule Solarmodule in Betrieb. „Das Interesse am Umweltschutz und die Begeisterung für diese Technik motivierten uns zu tatkräftiger Mitarbeit“, berichten die Schüler. Einzeln mussten die Bauteile auf das Schuldach gehievt werden. Auch in dem nicht gerade sonnenverwöhnten Wuppertal soll die Sonne aus ihrem Versteck gelockt werden. Jeder Sonnenstrahl wird mit der Photovoltaik-Anlage eingefangen und zu Strom umgewandelt. 11.000mal mehr Energie strahlt die Sonne auf die Erde als die Menschheit verbraucht, wissen die Jungs. Das Potential der Sonnenenergie ist unerschöpflich.
Nach zehn bis elf Jahren soll sich die Anlage amortisiert haben
Mit vereinten Kräften setzte sich die private Waldorfschule für die Solaranlage ein. Ein vom Schulverein organisierter Sponsorenlauf, das Landesprogramm progres und die Wuppertaler Stadtwerke machten die Investition schließlich möglich. Nach zehn bis elf Jahren soll sich die Anlage amortisiert haben. Für die sauber gewonnene Energie, die in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird, erhält die Schule eine Vergütung der Stadtwerke. Ein Blick auf die digitale Anzeigetafel in der Sonnenhalle zeigt nun jedem, wie viel Strom produziert wird, wie viel die Rudolf-Steiner-Schule bereits ins Netz geliefert hat und wie viel CO2 dadurch der Atmosphäre bereits erspart blieb. Das Projekt ist für die Schüler mit dem Bau aber nicht abgeschlossen. Zukünftig wird die Photovoltaiktechnologie auch im Physikunterricht Thema sein, wenn es um Elektrizität und die Gewinnung sauberer Energie geht. Und auch der Schulalltag änderte sich mit dem Engagement der Schüler. Wenn es im Klassenraum zu warm ist, wird die Heizung kleiner gestellt statt alle Fenster aufzureißen. Der Lichtschalter kann auch zum Ausschalten benutzt werden. Die große Wende, so die Erfahrung in der Rudolf-Steiner-Schule, fängt oft mit kleinen Schritten an.
ANNA BOSSY
EIN CLIP FÜR DIE ZUKUNFT
KURZFILMWETTBEWERB „TATORT ERDE“
Wie werden wir leben ohne Polkappen? Wer wird am Ende des Jahrhunderts noch wissen, wie Erdbeeren rochen, bevor ihre Gene verändert wurden? Werden vor Europas Grenzen auch dann noch Flüchtlinge ertrinken? Und was kann man hier und jetzt auf die Beine stellen, um die Zukunft zu verbessern? Ideen, Statements oder Aktionen für eine solidarische, nachhaltige Zukunft sind gefragt bei einem Kurzfilmwettbewerb, den die „Aktion Mensch“ gemeinsam mit dem „Evangelischen Entwicklungsdienst“, dem BUND und der Aktion „Brot für die Welt“ veranstaltet. „Tatort Erde“ heißt das Projekt, und es motiviert dazu, sich auseinanderzusetzen mit der zentralen Frage: „Was kann ich heute für morgen tun?“
Bis zum 30. April können Gruppen, Initiativen oder einzelne Teilnehmer im Internetforum „dieGesellschafter.de“ Beiträge hochladen, die alles sein dürfen, humorvoll oder eindringlich, dokumentarisch, kunstvoll oder animiert, nur nicht länger als 15 Minuten. Eine Jury sucht die zehn besten Kurzfilme aus, auf deren UrheberInnen ein Filmworkshop wartet, bei dem Profis aus der Clip- und Werbebranche die kleinen und wichtigen Geheimnisse des Filmemachens verraten.
„Für fairen Handel oder gegen Armut, zum Erhalt der Arten oder gegen den Klimawandel, alle Ideen und Projekte sind gefragt, mit denen Menschen Regie übernehmen für die eigene Zukunft,“ sagt Christian Schmitz, Pressesprecher der Aktion Mensch, und: „Wir wollen die gesellschaftliche Diskussion über Ziele, Utopien und Strategien aus den TV-Zirkeln und Talkshows herausholen und sie zu einem Thema aller interessierten, engagierten Menschen machen.“ Und weil es sich lohnt, selbst nachzudenken, anstatt die Zukunft anderen zu überlassen, ist jeder, der mitmacht, Gewinner bei dem Kurzfilmwettbewerb „Tatort Erde“.
DAGMAR KANN-COMANN
www.diegesellschafter.de